Das bisschen Jagdtrieb…..

Quelle: http://www.mayaslife.de/2016/01/10/das-bisschen-jagdtrieb/
Sehr gut erklärt von Cosima Scholz, sie hat einen Bretonen, dies gilt aber für ALLE Jagdhundrassen. Es gibt sehr ambitonierte Jäger, die man eben NICHT UMLENKEN, ABLENKEN usw. kann, sondern sich was einfallen lassen muss! Hier gehts zum Text!
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Bevor Maya zu uns kam, glaubte ich eine leise Ahnung zu haben was Jagdtrieb bedeutet. Mit konsequenter, zielorientierter Arbeit lässt sich das umlenken. Als fleißiger Hundemensch, der gern mit seinen Vierbeinern arbeitet, sollte das nicht wirklich ein Problem darstellen.

Ich wurde eines besseren belehrt.

Und immer wieder fällt mir auf, dass Leute, die noch nie einen wirklich ambitionierten Jäger erlebt haben, absolut keine, keine, keine Vorstellung davon haben, was es wirklich bedeutet einen solchen Hund zu führen und im richtigen Maß auszulasten. Die Bretonen scheinen hier ein regelrechter Kassenschlager zu sein. Wenn ich mit meinen Dreien auf nette, interessierte Menschen ohne Hund treffe und mich mit ihnen unterhalte, möchten sie spätestens gegen Ende des Gesprächs auch einen Bretone haben. Denn man denke ja schon lange darüber nach, sich einen Hund anzuschaffen. Und eigentlich solle es ja ein XY werden – aber mensch, diese [ähm, wie hießen sie noch gleich?!] sind ja wirklich so lieb! Und hübsch! Und ja, die Größe ist ja außerdem total angenehm.

Und ähm, ja – die jagen wie Sau!

Flieger, grüß mir die Sonne. Wenn du sie findest.

Aber der belesene Fast-Hundehalter weiß ja, dass man etwas, was über lange Zeit mit großer Vielfalt selektiert und gefestigt wurde mit zwei, drei Handgriffen weg zaubern kann. Schließlich hat er bereits zwei Hundebücher gelesen und guckt außerdem regelmäßig wie die Herrschaften im Fernsehen das machen. Letztendlich muss man den Hund ja nur ordentlich auspowern, ein paar mal den Futterbeutel werfen und den Hund beim Ertönen der Pfeife mit allerhand Köstlichkeiten vollstopfen. Wenn’s trotzdem nicht funktioniert, schmeißt man eben was. Oder drückt den Hund auf den Boden. Peanuts.

Die Leute hören mich nicht. Ich kann sagen was ich will, es kommt nicht bei ihnen an. Versteht mich nicht falsch, ich möchte es ja niemandem ausreden und würde mich freuen, wenn viele abgestoßene Jagdhunde die Chance auf ein neues Leben bekommen. Ich würde mir nur wirklich sehr wünschen, dass man zumindest versucht zu begreifen, dass es eben sehr viel mehr als ein Fingerschnipsen braucht um in seinem Jäger einen zuverlässigen Partner zu finden. Auch Kito wurde bereits vor uns vermittelt, kam zu einer Dame, die scheinbar gut informiert war und sich keinerlei Gedanken machte, dass es auch Dinge geben wird, die vielleicht erstmal nicht klappen. Das Ende vom Lied war, dass Kito nach zwei Wochen zurück gegeben wurde – mit der Begründung, dass dieser Hund eine einzige Katastrophe sei. Und leider ist das bei Jagdhunden keine Ausnahme.

„Aber DIE sind ja lieb“, höre ich die Leute dann sagen. Ja. Natürlich sind die lieb. Die haben ja kein Interesse Menschen zu zerfleischen, nur weil sie eine Leidenschaft für’s Jagen hegen.

Da stehe ich nun also und versuche ein realistisches Bild von meinen Jagdschweinen zu machen, die neben mir sitzen wie die Lämmer und mit schmachtenden Blicken um Zärtlichkeit flehen.

Und während ich so erzähle, nicken die Leute und winken ab. Früher. Da hatten sie ja mal einen Retriever. Der hat gejagt wie ein Schnitzel. Aber er war immer abrufbar. Man habe also Erfahrung. Dass der Gute vermutlich eher aus Langeweile mal einem Karnickel nachgestellt hat, kommt nicht in Frage. Das war ein Jäger aus Leidenschaft.

Natürlich bringt jeder Hund ein gewisses Interesse an Wild mit – denn Hund ist immernoch Hund. Aber ich möchte die Behauptung wagen, dass nicht wenige Hunde „jagen“ gehen, weil sie nie eine angemessene Führung bekommen haben und viele Leute immernoch der Meinung sind Auslastung bedeutet möglichst oft und möglichst weit einen Ball in die Walachei zu feuern oder den Hund an der Reizangel auszupowern. Und dann wundert man sich wirklich, dass der Hund nicht das gewünschte Verhalten im gemeinsamen Alltag zeigt?!

Für meinen Geschmack gibt es einfach zu viele Geschichten à la „manchmal rennt er einem Reh hinterher und er hat auch schon oft die Bundesstraße überquert, aber er kam meistens schon nach ein paar Stunden wieder“ – soll das also der Anspruch an eine solide Mensch-Hund-Beziehung sein? Dass der Hund abhaut, sich und andere in große Gefahr bringt, aber ja immer irgendwann wieder kommt? Ich finde das wirklich erschreckend und habe absolut kein Verständnis dafür, dass die Leute ihre Hunde dennoch ohne Leine laufen lassen. Der muss sich ja mal austoben, heißt es dann. Sonst ziehe er wie verrückt an der Leine. Da machen die Leute es sich wirklich sehr bequem, denn das Eine hat mit dem Anderen in dieser Hinsicht überhaupt nix zu tun. Vielmehr würde ich mich doch fragen wie ich den Hund auf solch große Distanzen kontrollieren möchte, wenn ich nicht einmal im engen Radius, an der Leine, in der Lage bin ihm Führung zu geben und Grenzen zu setzen, die er auch ernst nimmt und respektiert. Letztendlich ist es den Leuten einfach zu anstrengend.

Natürlich kann man bei der Auswahl seines Hundes nicht immer alles vorhersehen. Habe ich bei Maya mit einem dermaßen ausgeprägten Jagdtrieb gerechnet? Natürlich nicht. Auch eine Bulldogge kann sich als Jagdjunkie entpuppen, genauso wie es Jagdhunde geben mag, die keinerlei Interesse am Wild zeigen [Gerüchten zufolge gibt es sie wirklich]. Aber wenn ich mir eine Jagdhunderasse ins Haus hole, ist die Wahrscheinlichkeit nicht allzu gering, dass der Hund jagdliche Ambitionen zeigt – und das muss man mögen! Man muss sich bewusst sein, dass man auf den Spaziergängen zunächst eben nicht mal ein bisschen die Seele baumeln lässt und mit seinem Wauz entspannt durch die Wälder streift. Natürlich ist das möglich, aber besonders in der Anfangszeit wird ein solcher Hund eure komplette Aufmerksamkeit fordern. Er wird nicht nach zwei Wochen ohne Leine laufen können und er wird nicht das Wild stehen lassen, nur weil ihr vorher die Fleischwurst beim Metzger geholt habt, die er doch sonst so gern mag.

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Über christianeostermeier

Meine Philosophie ist: Hunde brauchen passende Hunde, damit sie sich glücklich und zufrieden fühlen. Hunde wollen wie Hunde behandelt werden. Hunde untereinander brauchen keine Leine, sagen nicht "Sitz, Platz, Fuß" zueinander. Sie sind an einer sehr guten Gemeinschaft interessiert.
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