Mein Hund knurrt – und jetzt?

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Mein Hund knurrt – und jetzt?

Veröffentlicht am 26. Dezember 2016Veröffentlicht in Gastbeiträge, Training und Verhalten

Knurren ist Kommunikation!

Die Kommunikation der Hunde ist ein sehr komplexes und weites Gebiet. Als ich begann, mich näher mit Körpersprache und Ausdrucksverhalten von Hunden zu beschäftigen (u.a. ist die DVD „Das Kleingedruckte in der Körpersprache des Hundes“ von Dr. Ute Blaschke-Berthold bei mir eingezogen) war ich schnell ziemlich erschlagen „wie viel da so dranhängt“.

Bis vor einiger Zeit war für mich eigentlich klar, dass ein Hund weder mich noch einen anderen Hund anknurren soll. Dementsprechend sollte Knurren unterbunden werden, z.B. durch „Aus“, „Scht“.

Stellen wir uns mal folgende (vermenschlichte) Beispielsituation zwischen Goofy und Mimi vor:

Goofy fühlt sich von Mimi bedrängt, Goofy hat schon die ganze höfliche Palette für „Du bist mir zu nah, geh bitte weg!“ körpersprachlich dargestellt. Mimi konnte darauf aber nicht reagieren sondern rückt Goofy weiterhin auf die Pelle.

Goofy findet die Nähe von Mimi zwischenzeitlich richtig doof und beginnt zu knurren. Das Knurren hört Goofys Herrchen und weist seinen Hund mit einem ärgerlichen „Scht, hörst Du wohl auf zu knurren!“ zurecht.

Für Goofy, der sich durch die Nähe von Mimi bedroht gefühlt hat, ist noch etwas Unangenehmes, nämlich die Zurechtweisung (Strafe) von Herrchen, dazu gekommen – als Konsequenz für das Knurren.

Goofy lernt also, dass Situationen, in denen er sich veranlasst fühlt zu knurren zusätzlich richtig doof sind, weil Herrchen dann auch noch aufgebracht ist und mit Zurechtweisung (Strafe) reagiert.

Wird Goofy damit die Nähe von anderen Hunden zukünftig besser ertragen können oder wird er noch angespannter sein, weil er in der Situation auch noch Strafe von seinem Hundehalter erwartet?

Ich denke es ist klar worauf ich hinaus will.

Knurren ist Teil der hündischen Kommunikation

Knurren gehört zum ganz normalen Ausdrucksverhalten eines Hundes wie das Stirnrunzeln bei uns Menschen. Es ist ein Weg, wie der Hund seiner Umwelt mitteilen kann, dass er sich unwohl fühlt und z.B. Abstand braucht. Knurren soll dem gegenüber signalisieren:

„Bitte komm nicht näher, entferne Dich von mir, sonst muss ich noch deutlicher werden!“

Es ist also Bestandteil normaler Kommunikation. Es sollte das Recht jeden Hundes sein, seinen Unmut zu äußern. Auch wenn wir Menschen vielleicht nicht unbedingt nachvollziehen können, weshalb der Hund in einer Situation so reagiert. Für den jeweiligen Hund gibt es einen Grund.

Wenn ein Hund knurrt, hat er eine Stufe erreicht, in der seine bisherige Körpersprache nicht ausgereicht hat, um sein Bedürfnis nach Sicherheit (z.B. Abstand zum anderen Hund, Menschen usw.) zu befriedigen. Schaut man genauer hin, dann kündigen Hunde „Knurren“ bereits durch eine Reihe vorgeschalteter Warnungen an. Werden die Warnungen ignoriert, dann knurrt der Hund, um seine Warnung deutlicher zu machen.

Was alles passiert bevor ein Hund knurrt:

Wenn diese Zeichen vom Gegenüber ignoriert oder nicht verstanden werden, knurrt er.

Wir Menschen sind für das Knurren natürlich viel empfänglicher. Es ist ein Geräusch, dass wir deutlich wahrnehmen, deutlicher als körpersprachliche Zeichen wie z.B. ein „Blinzeln“, „Wegschauen“ u.s.w.

Deshalb lohnt es sich, bei Situationen in denen ein Hund plötzlich knurrt, mal drauf zu schauen, was der Hund in den Sekunden (oder Minuten) davor gezeigt hat.

Meistens wird dann klar, dass das Knurren doch nicht so plötzlich kam sondern der Hund vorher schon deutlich gezeigt hat, dass er sich bedroht/nicht wohl fühlt.

Was also tun wenn ein Hund knurrt?

Lobe und belohne den Hund dafür, dass er knurrt! Belohne ihn damit, dass du den Auslöser für das Knurren, wenn möglich, entfernst (anderen Hund abrufen, dich selbst zurücknehmen und nicht weiter auf den Hund zubewegen etc.).

Was passiert, wenn Knurren bestraft wird (verbal mit bedrohlichem Ton oder mit bedrohlicher Körperhaltung dem Hund gegenüber etc.)?

Nach den Lerntheorien wird das Verhalten durch Strafe zukünftig weniger gezeigt, also das Knurren wird seltener auftreten.

Gut, oder? Ist ja das, was man damit beabsichtigt.

Die Frage ist nur, wie wird ein Hund zukünftig zeigen, dass er sich unwohl fühlt, wenn er gelernt hat dass Knurren nicht zum Erfolg führt sondern bestraft wird?

Blicken wir mal auf die Eskalationsleiter. Was kommt nach Knurren? Abschnappen oder im schlimmsten Fall Beißen.

Lösen wir uns also mal von der Sorge, was andere von einem denken, wenn der Hund knurrt.

Warum ist Loben und Belohnen besser?

Knurrt der Hund und wird er gelobt und/oder gemarkert und belohnt, spricht man lerntheoretisch von Verstärkung. Das Verhalten (Knurren) des Hundes wird belohnt, etwas Positives passiert.

Dies hat zur Folge, dass das Knurren zukünftig öfter oder länger gezeigt wird, bevor der Hund die nächste Eskalationsstufe (Schnappen/Beißen) betreten muss.

Wird mit dem Hund mit Verstärkung und/oder Marker gearbeitet, so ist der Marker und das Lob/die Belohnung etwas für den Hund Angenehmes.

Dadurch wird langfristig eine weitere Eskalation unwahrscheinlicher.

Längeres Knurren gibt uns als Hundehalter länger die Chance einzugreifen indem wir die bedrohliche Situation auflösen (z.b. selbst weggehen vom Hund, einen anderen Hund abrufen etc).

Als Dogwalker kommen solche Situationen hin und wieder vor.

Ich bin froh um jeden Hund, der knurrt, wenn ihm etwas nicht passt / er sich bedroht fühlt.
Denn dann habe ich die Möglichkeit zu managen und die Situation möglichst aufzulösen bevor eine Beißerei entsteht. Und ich weiß, auf welche Situationen ich künftig ein Auge habe.

Eine Lösung sieht z.B. so aus. Goofy knurrt Mimi an. Goofy wird gemarkert und Mimi abgerufen.

Das Abrufen des „angeknurrten“ Hundes schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe:
1. Der Hund, der knurrt muss nicht weiter eskalieren weil der Auslöser fürs Knurren sich entfernt. (Knurren wird schon alleine vom Weggehen des Angeknurrten verstärkt, es stellt einen funktionalen Verstärker dar.)

2. Der angeknurrte Hund bekommt eine sinnvolle Lösung gezeigt: Wenn ich angeknurrt werde, gehe ich lieber weg und werde dafür belohnt.

Hier seht ihr zwei Videos von Anne. Im ersten Video sind meine eigene Ridgebackhündin Makeba und die kleine schwarz-braune Hündin Kaya zu sehen. Kaya findet große und fremde Hunde unheimlich und droht sehr sauber und deutlich. Makeba hat Probleme sich von Kaya zu lösen. Kayas Drohverhalten und Knurren ist in der Vergangenheit häufig gemarkert und belohnt worden. Kaya hat also gelernt, dass Knurren und Drohen sogar erwünscht ist. Makeba brauchte einige Sekunden bis sie sich von Kaya abwenden konnte. Als Makeba bei Sekunde 6 nach links sehen konnte, konnte Kaya ohne weiteres Eskalieren weggehen.

Das zweite Video ist am nächsten Tag entstanden. Hier musste Kaya nicht lange drohen, Makeba konnte relativ schnell weitergehen und hat Kaya „in Ruhe gelassen“. Kaya ist ebenfalls weggegangen. Das Weggehen wurde für beide Hunde belohnt.

Das zweite Video ist am nächsten Tag entstanden. Hier musste Kaya nicht lange drohen, Makeba konnte relativ schnell weitergehen und hat Kaya „in Ruhe gelassen“. Kaya ist ebenfalls weggegangen. Das Weggehen wurde für beide Hunde belohnt.

Wenn euer Hund euch anknurrt, wenn er knurrt wenn ihr seinem Spielzeug zu nahe kommt usw. dann holt euch im Zweifel lieber einen Trainer, der über positive Verstärkung mit euch und eurem Hund arbeitet. Findet heraus, was das Bedürfnis des Hundes ist und wie ihr ihm zu mehr Sicherheit verhelfen könnt, so dass der Hund nicht mehr knurren muss. Ignoriert das Knurren nie und bestraft es bitte nie. Knurren ist tolle und deutliche Kommunikation! Freut euch, dass euer Hund es zeigt und euch die Chance gibt, zu reagieren!

PS: Leider reicht es nicht aus für eine Verhaltensveränderung das Knurren zu verstärken. Es müssen zwingend weitere Trainingswerkzeuge verwendet werden, um Problemverhalten positiv zu bearbeiten.

Erik Hammer / Oktober 2015

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unterschiedliche Reaktionen bei Außenreizen

unterschiedliche Reaktionen von Hunden bei Außenreizen

 

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Körpersprachlicher Abbruch

Karin Actun – Körpersprachlicher Abbruch

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Ist mein Hund wirklich glücklich?

Quelle: http://www.blog.hunde-verhaltensberatung.de/ist-mein-hund-wirklich-gluecklich/

Ist mein Hund wirklich glücklich?

Hund zu sein ist in unserer Gesellschaft schwierig geworden. Die Erwartungen an unsere „modernen“ Hunde sind immens. Und wenn die Menschen dann auch noch veralteten Erziehungsratschlägen, wie z.B. den längst überholten Rangordnungsmodellen, folgen, dann verstehen unsere armen Hunde schnell die Welt nicht mehr. Es ist oft ein schmaler Grat zwischen geliebtem Haustier und gequälter Seele. Und die Menschen scheinen in vielen Fällen noch nicht einmal zu merken, was sie ihrem Hund antun.

Überprüfen wir doch mal ganz ehrlich und selbstkritisch unsere eigene Erwartungshaltung an unseren Hund. Wie wünschen wir uns unseren Hund? Wie soll er sein? Wie soll er sich verhalten? Wie viel Freiheit gestehen wir ihm zu?

Häufig höre ich dann Antworten wie: „Mein Hund darf sehr viel, aber das muss er schon können und hier muss er sich so verhalten und dort darf er natürlich nicht …“ Und schon hat man wieder eine ellenlange Liste von Einschränkungen, Ge- und Verboten und absoluten Tabus. Das ist leicht verständlich, denn es sind nicht nur unsere eigenen Erwartungen, sondern es lastet auch ein gesellschaftlicher Druck auf uns Hundehaltern. Da müssen wir uns anpassen. Und das ist ja auch richtig so.

Ich möchte nur davor warnen, hier einen ungesunden Perfektionismus zu entwickeln und dem Hund Dinge abzuverlangen, die er gar nicht leisten kann. Es geht nicht nur um uns. Wichtig ist nicht nur das, was wir uns von unserem Hund wünschen. Wir müssen uns auch fragen, was sich unser Hund von uns wünscht. Versetzen wir uns doch mal in seine Lage. Aus seiner Sicht ist unsere Welt unfassbar kompliziert und unverständlich. Er braucht unsere Anleitung und unseren Schutz, um zurechtzukommen.

Ich selbst war früher auch so ein Mensch. Als ich meinen ersten Hund hatte, da habe ich immer die Menschen bewundert, die mit ihrem unangeleinten Hund durch die Stadt liefen, denen der Hund problemlos frei durch das dichteste Menschengetümmel folgte und selbst an stark befahrenen Kreuzungen absolut verlässlich zu sein schien. Und ich sage bewusst „zu sein schien“, denn inzwischen habe ich tragischerweise genug solche Hunde gesehen, die unter einem Auto gelandet sind, weil die absolute Verlässlichkeit einfach ein Trugschluss ist. Es braucht nur einen kleinen Reiz wie ein Eichhörnchen auf der anderen Straßenseite oder eine Handbewegung des Menschen, die der Hund falsch als Signal zum Loslaufen gedeutet hat, und schon ist das Unglück passiert. Womit wir wieder bei Menschen wären, die von ihrem Hund einfach zu viel verlangen. Und auch wieder bei meinem eigenen Beispiel.

Damals habe ich mir immer gesagt, beim nächsten Hund wird alles anders. Und als ich dann endlich meinen nächsten eigenen Hund bekam, da wollte ich, dass dies der perfekte Hund wird. Ich bin damals für mein heutiges Empfinden sehr hart mit meinem Hund umgegangen. Geblendet von den gängigen Rangordnungstheorien und geleitet von dem Gedanken, mein Hund müsse mich überallhin begleiten, habe ich überhaupt nicht erkannt, was für eine zarte, empfindsame Seele da an meiner Seite war. Viele Wünsche meines Hundes habe ich unterdrückt, weil sie nicht zu meiner Vorstellung passten. Ich habe sogar körperliche Maßregelungen wie den Schnauzgriff angewandt, und das bei einem Hund, dessen Welt schon zusammenbricht, wenn man ihn nur einmal mit einem tadelnden Blick ansieht. Etwas, das ich mir nie verzeihen werde.

Wie konnte ich nur so dumm und blind sein? In meinem egoistischen Bestreben, den perfekten Hund zu bekommen, habe ich gar nicht bemerkt, dass dieses liebevolle, zarte, harmoniesüchtige Wesen bereits von dem Moment seiner Geburt an absolut perfekt war.

Heute läuft es anders bei uns. Bevor ich meine Hunde auf einen Ausflug mitnehme, überlege ich mir, ob sie dabei auch Spaß haben, oder ob sie vielleicht glücklicher wären, wenn ich sie zu Hause lasse.

Ich gehe einzeln mit meinen sehr unterschiedlichen Hunden spazieren, weil sie beide zufriedener sind, wenn ich ganz auf ihre Bedürfnisse eingehen kann und sie nicht jeden Tag Kompromisse machen müssen. Das ist anstrengend für mich, aber es ist auch wunderschön, weil ich so die Möglichkeit habe, mich täglich intensiv mit den Hunden einzeln zu befassen, was bei einem gemeinsamen Spaziergang nicht machbar wäre.

Ich freue mich darüber, dass meine inzwischen alte Hündin ihre Meinung äußert und mir zeigt, auf welchem Spazierweg sie heute Gassi gehen möchte und wo nicht. Und mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, wie glücklich sie ist, weil ich auf sie achte und ihren Wünschen folge. Das ist eine Erfahrung, die sie als junger Hund nie machen durfte.

Es geht mir nicht mehr darum, was ich gerne möchte, und vor allem geht es mir nicht mehr um das, was andere von mir und meinem Hund denken. Es geht mir nur noch um das Glück meiner Hunde, auch wenn das für mich manchmal anstrengend ist.

Das heißt natürlich nicht, dass meine Hunde tun und lassen dürfen, was sie wollen. Sobald sie sich selbst oder andere in Gefahr bringen könnten oder sich auch nur jemand von ihnen belästigt fühlen könnte, greife ich selbstverständlich ein und nehme sie an die Leine. Auch der zuverlässige Rückruf ist wichtig, um Gefahren abzuwenden. Aber ich stelle keine unnötig hohen Anforderungen mehr an meine Hunde. Sie müssen nichts tolerieren, was sie nicht wollen. Ich verlange zum Beispiel nicht von ihnen, dass sie still stehen und sich von einem Fremden streicheln lassen, nur weil ich das gerade möchte. Ich weiß, dass meine Hunde das beide nicht gern mögen, und dann haben sie auch absolut das Recht, es zu verweigern. Ich will schließlich auch nicht von jedem Fremden angefasst werden, also warum sollte ich von meinen Hunden etwas verlangen, was ich selbst noch nicht einmal tun würde.

Die Augen geöffnet hat mir im Grunde unsere Hündin Luzi, die einen sehr speziellen, anstrengenden, aufbrausenden Charakter hat und anfangs auch sehr unsicher war. Mit ihr war von Anfang an nichts von all dem, was ich mit meiner älteren Hündin gemacht habe, möglich. Kneipenbesuche, Einkaufsbummel, Begegnungen mit fremden Menschen – alles absolut unvorstellbar. Ich musste all meine Ansprüche auf null herunterschrauben.

Es ist erstaunlich, wie es den eigenen Blickwinkel verändert, wenn man mit einem Hund unterwegs ist, bei dem man schon froh ist, wenn er einen Passanten, der ihn im Vorbeigehen kurz angeschaut hat, nicht sofort angreift. Mir wurde erst im Alltag mit Luzi klar, wie viel ich von meinem anderen Hund verlangt hatte. Und dass es keinesfalls selbstverständlich ist, dass ein Hund in unserer verwirrenden, aufregenden modernen Welt zurechtkommt, ohne durchzudrehen.

Durch diese Veränderung meines Blickwinkels habe ich auch die Anforderungen an meinen anderen Hund zurückgedreht, ihm mehr Freiheiten gelassen und weniger von ihm verlangt. Ihn nicht mehr überallhin mitgenommen und ihm mehr Halt gegeben. Und siehe da, er wurde auf einmal viel fröhlicher, alberner, verspielter, und das bis ins hohe Alter. Es tat ihm gut, diese Last nicht mehr tragen zu müssen. Wäre mir das nur vorher schon aufgefallen, dann hätte ich ihm einiges erspart.

Wir müssen unsere egozentrische Weltsicht, die für uns Menschen so typisch ist, überdenken. Wir müssen anfangen, uns wirklich ehrlich zu fragen, ob wir nicht zu viel von unseren Hunden wollen. Ob sie nicht glücklicher wären, wenn wir ihnen einfach mehr Schutz und Geborgenheit bieten und nicht ständig das Unmögliche von ihnen fordern. Wir müssen uns in unsere Hunde hineinversetzen und die Welt aus ihrem Blickwinkel betrachten.

Und ist es wirklich notwendig, dass unser Hund uns überallhin begleitet? Ich denke, er wäre manchmal vielleicht doch zufriedener, wenn er zu Hause auf dem Sofa in aller Ruhe ein Schläfchen machen und darauf warten dürfte, dass seine Menschen vom Stadtfest, das sie ohne ihn besucht haben, zurückkehren.

Muss ein Hund es erdulden, dass sich eine ganze Kindergartengruppe schreiend um ihn schart und lauter klebrige, kleine Hände ihn anfassen? Auch wenn das für die Kinder sicherlich eine pädagogisch wertvolle Erfahrung ist – ich möchte in so einer gruseligen Situation nicht in der Haut dieses Hundes stecken.

Unsere Hunde haben nicht die Wahl. Sie sind unseren Entscheidungen ausgeliefert. Es liegt in unserer Verantwortung, sie vor Überforderung zu schützen und ihnen nicht zu viel zuzumuten.

(Inga Jung, März 2017)

 

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Magendrehung beim Hund

Magendrehung beim Hund

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Magendrehung beim Hund – Früherkennung rettet Hundeleben

Die Magendrehung ist der Albtraum eines jeden Hundebesitzers. Erkennt man die Warnsignale nicht rechtzeitig, verläuft sie immer tödlich. Und es kann jeden Hund treffen. Für einen Hundebesitzer sollte es daher unerlässlich sein, die wichtigsten Symptome der tödlichen Erkrankung erkennen und deuten zu können. Aber welche Anzeichen sind das genau? Was ist eine Magendrehung eigentlich? Und wie entsteht sie? Sind alle Hunde gleich betroffen oder gibt es Unterschiede? Kann man irgendetwas tun, um seinen Vierbeiner vor einer Magendrehung zu schützen?

Was ist eine Magendrehung beim Hund?

Schuld an einer Magendrehung beim Hund ist eine plötzlich auftretende Magenerweiterung, die mit einer Drehung des Magens um die eigene Achse einhergeht. Durch die Drehbewegung werden sowohl Mageneingang als auch -ausgang abgeschnürt.

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Das Fatale: Die sich im Hundemagen befindenden Nahrungsmittel verursachen Gase, die normalerweise über die Speiseröhre oder den Darm abgeleitet werden. Da dies jetzt nicht mehr möglich ist – ein Erbrechen oder Kotabsetzen des Hundes funktioniert nicht mehr – sammelt sich das Gas im Magen und bläht ihn lebensgefährlich auf. Durch den verdrehten Magen werden die zu- und ablaufenden Blutgefäße abgeklemmt. Kohlendioxid und Stoffwechselprodukte können nicht abtransportiert werden und neues sauerstoff- und nährstoffreiches Blut hat keine Chance zum Magen zu gelangen.

Die Magendrehung beim Hund ist ein Wettlauf gegen die Zeit

Nicht nur, dass das Gewebe schwer geschädigt und sogar absterben kann, der aufgeblähte Magen drückt auf das Zwerchfell und beeinträchtigt damit Herz und Atmung. Die hochgradigen Atmungs- und Kreislaufbeeinträchtigung machen die Magendrehung zu einem dramatischen Notfall, der unbehandelt innerhalb kürzester Zeit zu einem qualvollen Tod führt. Bei Hunden, die einer Behandlung unterzogen werden, liegt die Sterberate trotzdem (je nach Literaturangabe) bei 15 bis 45 Prozent. Je schneller man handelt, desto höher sind die Rettungschancen für den Vierbeiner. Die Frage ist also nicht, ob man den Tierarzt aufsucht, sondern wann. Jede Minute zählt!

Die Symptome einer Magendrehung beim Hund

opSie fragen sich jetzt wahrscheinlich: „Woran erkenne ich, dass mein Hund eine Magendrehung hat?“ Wenn Ihr Vierbeiner unruhig hin und her läuft, sich immer wieder hinsetzt, dann wieder aufsteht, umhergeht, nur um sich dann wieder hinzulegen, sollten Sie aufmerksam werden. Wenn er dabei auch noch den Rücken gekrümmt, den Bauch eingezogenem hat und den Kopf tief trägt, raten wir, den Hundebauch auf eine Aufblähung abzutasten. Weist der Bauch eine solche Aufblähung auf, kann das schon ein klares Anzeichen einer Magendrehung beim Hund sein. Sie sollten ihren Vierbeiner schleunigst einpacken und sich auf den Weg zum Tierarzt machen.

 

Je nach Einzelfall können auch folgende Symptome einer Magendrehung mehr oder weniger stark auftreten.

  • Appetitlosigkeit
  • Würgereiz: Das Tier versucht vergeblich zu erbrechen.
  • Der Hund versucht Kot erfolglos abzusetzen.
  • starker Speichelfluss
  • erhöhter Puls
  • Wasser kann nicht mehr aufgenommen werden.
  • Bauchumfang trommelartig: Ein vorsichtiges Klopfen auf Höhe der letzten hinteren Rippen gegen die Hundebauchwand lässt ein trommel-ähnliches Geräusch vernehmen.
  • Atemnothund_decke
  • Stöhnen vor Schmerzen
  • Apathie: Je nach Stadium, in dem der Hund sich befindet, wird er immer teilnahmsloser und zunehmend schwächer, was bis zum Schockzustand führen kann.

Das Fatale ist, dass Magendrehungen häufig abends und morgens oder in der Nacht auftreten. Es ist sinnvoll, dass sich Ihr Hund in den Nachtstunden in Ihrer Nähe aufhält, damit ein plötzlich entstehendes Unwohlsein des Tieres von Ihnen rechtzeitig wahrgenommen werden kann.

Was ist die Ursache für die Magendrehung beim Hund?

Die eigentliche Ursache der Magendrehung ist nicht bekannt, nur eine Reihe von Risikofaktoren. Dabei geht man von einem Zusammenwirken vieler Einzelfaktoren aus.

Rasse: Große Hunderassen sind häufiger betroffen als kleine. Meist trifft es Rassen mit großem Brustkorb wie Boxer, Doggen, Schäferhunde oder Bernhardiner und Dobermänner. Bei diesen Vierbeinern hat der Magen viel Platz, sich um die eigene Achse zu drehen.

hund_spieltFamiliäre Vorbelastung: Hat der Hund Eltern oder Geschwister, die bereits eine Magendrehung hatten, ist das Risiko groß, dass auch dieser Hund daran erkrankt.

Alter des Hundes: Eine Magendrehung tritt vor allem bei älteren Tieren auf (> als zwei Jahre).  Durch eine Bindegewebeschwäche scheint die Festigkeit der Bänder, die den Magen halten,im Laufe des Hundelebens nachzulassen.

Inzucht: Oft werden Hunde, die miteinander verwandt sind, verpaart. Das hat zwar einerseits den Vorteil, dass die typischen, gewünschten Rassemerkmale gestärkt werden, gleichzeitig aber eine höhere Empfindlichkeit gegenüber neuen, äußeren Einflüssen entstehen kann. In diesem Fall kann so eine Verpaarung gegebenenfalls das Risiko einer Magendrehung fördern.

Falsche Fütterung: Das Füttern einer einzigen, großen Futterportion am Tag geht manchmal einher mit hastigem Schlingen des Hundes, was eine Magendrehung hervorrufen kann. Erhöhte Futterschüsseln stehen im Verdacht, das Risiko einer Magendrehung ebenfalls zu steigern (es wird vermutet, dass das Mitschlucken von Luft sie begünstigen kann). Trockenfutter in dem viel Fett enthalten ist, soll ebenfalls ein Risikofaktor sein. Auch, weil es im Hundemagen stark aufquillt und an Volumen zunimmt.hund_napf

Herumtollen mit vollem Magen: Viel hört man von Hunden, bei denen nach dem Fressen und anschließendem wilden Herumtollen die Symptome einer Magendrehung auftreten. Dies kann passieren, unterliegt aber wie die anderen Ursachen keiner allgemein gültigen Regel. Die Magendrehung kann auch bei Tieren mit leerem Magen, im Ruhezustand, häufig über Nacht, auftreten.

Stress: Hunde, die starken Stresssituationen ausgesetzt sind, häufig Luft schlucken oder gestörte Magenbewegungen haben, sollen ebenfalls zu Magendrehungen neigen.

Was muss ich tun, wenn mein Hund eine Magendrehung hat?

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Hund eine Magendrehung hat, warten Sie nicht ab. Jetzt zählt jede Minute. Die Überlebenschance Ihres Hundes ist umso höher, je schneller er zum Tierarzt kommt. Denn schon nach kurzer Zeit können Magen und andere lebenswichtige Organe schweren, inoperablen Schaden nehmen. Ohne einen chirurgischen Eingriff wird das Tier sterben. Und wenn Ihr Vierbeiner doch nur etwas Harmloses hatte, werden Sie froh sein, es abgeklärt zu haben. Lieber einmal mehr zum Tierarzt, als am Ende um den Vierbeiner trauern zu müssen.

  • Tierarzt anrufen: Stellen Sie sicher, dass die Praxis geöffnet hat. Und kündigen Sie ihren Hund schon einmal an, so dass man auf ihn vorbereitet ist.
    • Tipp: Haben Sie immer eine Liste mit den 24-Stunden-Notfallrufnummern von tiermedizinischen Einrichtungen griffbereit. Achten Sie darauf, dass Sie diese in maximal 20 Minuten erreichen können. Am besten steht eine Tierklinik dabei. Gerade bei Tierarztpraxen ist es wichtig sich zu erkundigen, ob sie überhaupt eine Notrufnummer haben und ob sie die Möglichkeit eine Magendrehungs-Operation zu nachtschlafender Zeit durchzuführen können (die Kleintierpraxis in der Nachbarschaft bietet nicht zwangsläufig diese Möglichkeit).
  • Die Fortbewegungsfähigkeit Ihres Hundes nimmt bei einer Magendrehung rasch ab. Das kann sich bei schweren Rassen sehr schnell zu einem Problem entwickeln, wenn Sie alleine nicht in der Lage sind, das Tier zu tragen. Es macht also durchaus Sinn, schwere Tiere so lange es noch geht zügig ins Auto zu laden.
  • Wenn Sie die Sache emotional zu sehr mitnimmt, und sie deshalb zu aufgeregt zum Autofahren sind, bitten Sie einen Freund oder Nachbarn Sie und den Vierbeiner zu fahren.

 

Die Magendrehung beim Hund macht eine OP unerlässlich

hund_operiertBestätigt sich beim Tierarzt der Verdacht einer Magendrehung, muss zunächst der Kreislauf des Hundes stabilisiert werden, um überhaupt erst eine Narkose möglich zu machen. Ist der Vierbeiner soweit stabil, wird der Magen entgast, der Mageninhalt ausgespült und dann die Verdrehung des Organs rückgängig gemacht. Bereits abgestorbene Teile der Magenwand werden mit einer einstülpenden Naht in das Organinnere verbracht. Abschließend wird der Magen im Bauchraum fixiert, um eine erneute Torsion zu verhindern. Die Kosten des ganzen Prozedere bewegen sich im Schnitt zwischen 700 und 1.300 Euro.

Aber selbst nach einer erfolgreichen Operation ist nicht gewährleistet, dass der Hund überlebt. Oft sterben operierte Tiere in den ersten zwei Tagen nach der OP an einer Blutvergiftung oder Herzversagen. Durch die mangelnde Durchblutung gelangen manchmal Giftstoffe durch die Magenwand in den Blutkreislauf und fügen den Organen irreparable Schäden zu. Das Überleben nach einer Operation hängt auch davon ab, wie schnell die Magendrehung erkannt und operiert wird. Deshalb ist Vorbeugen und das Kennen der Symptome der einzig richtige Weg, Ihrem Hund im Fall des Falles das Leben zu retten.

Kann ich einer Magendrehung bei meinem Hund vorbeugen?

Die Magendrehung kann im Prinzip jeden Hund treffen. Zählt Ihr Vierbeiner auch noch zu den Risiko-Rassen, kann es nicht schaden, folgende Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen:

  • Füttern Sie lieber zwei – drei kleinere Mahlzeiten am Tag anstatt einer großen.
  • Füttern Sie abwechslungsreich.
  • Lassen Sie einige Zeit verstreichen, bevor Sie den Vierbeiner nach einer Mahlzeit wieder Toben lassen.
  • Stellen Sie die Futternäpfe auf den Boden. Von erhöhten Näpfen wird abgeraten.
  • Achten Sie auf die Inhaltsstoffe bei Trockenfutter und meiden Sie zu fetthaltiges Futter.
  • Es wird auch empfohlen, übermäßiges Wälzen um die Körperachse und das Treppensteigen kurz nach der Nahrungsaufnahme zu vermeiden.

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Da die konkreten Auslöser der Magendrehung aber bisher immer noch nicht klar erforscht sind, bedeutet das nicht, dass diese Vorsichtsmaßnahmen Ihren Vierbeiner vor einer Magendrehung schützen. Deshalb ist es umso wichtiger die Zeichen einer Magendrehung frühzeitig zu erkennen.

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Buchempfehlung: Dogwalk Ursula Loeckenhoff

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Begrüssungskultur und Beziehungsverhandlung

Kommentiert von Maja Nowak

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Rollenspiel „Führung von Hunden bei Außenreizen“

Maja Nowak und Angela Kniesel im Rollenspiel „Führung von Hunden bei Außenreizen“

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Die Stefans-Meute

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Wölfe leben demokratisch

Quelle: http://www.easy-dogs.net/…/gas…/marina_frei/woelfe_frei.html

Wölfe leben demokratisch

Das Bild vom aggressiven Alpha-Wolf ist eine Mär, unter der auch Hunde leiden, von Marina Frei

Zur Begrüssung schnuppert Kenai vorsichtig an meiner Hand. Dann leckt er sie kurz ab – eine kleine Geste, die grossen Eindruck macht. Immerhin ist Kenai ein rund 50 Kilogramm schwerer Wolf mit einem Gebiss, das locker den Oberschenkel eines Rinds zermalmen kann.
Genauso beeindruckend ist, wie Kenai neben Kurt Kotrschal an der Leine läuft. «Hätte man mich vor Jahren nach dem Unterschied zwischen Wolf und Hund gefragt, hätte ich gesagt: ?Nehmen Sie beide an die Leine. Dann merken Sie es?», sagt Kotrschal. Nach zweijährigem Training mit Hunden wie Wölfen ist der Verhaltensforscher zu einer anderen Einsicht gelangt: «Wölfe sind meist leinenführiger als Hunde.»
Ein Wolf an der Leine? Für die Besucher des Wolfsforschungszentrums (WSC) im Wildpark Ernstbrunn bei Wien ist das ein täglicher Anblick. Wer will, der kann sogar für rund 200 Euro an einem «Wolfsspaziergang» teilnehmen. Die Faszination ist gross: «Wir sind auf ein Jahr ausgebucht», sagt Kotrschal.
Plötzlich spürte er den Kopf Aragorns am Oberschenkel

Der Hauptzweck des rund 30 000 Quadratmeter grossen Zentrums ist jedoch ein anderer. Kotrschal und seine Kolleginnen wollen in dieser besonderen Forschungseinrichtung herausfinden, wie schlau Wölfe sind, wie sie miteinander kooperieren und was sie von Hunden unterscheidet.
Deshalb importieren sie Wolfswelpen aus Nordamerika, die im Alter von zehn Tagen von ihren Müttern getrennt wurden, sowie Hundewelpen aus ungarischen Auffangstationen. Beide Gruppen wachsen getrennt voneinander, aber unter gleichen Bedingungen am 2010 eröffneten Zentrum auf. Das gewährleistet, dass die Tiere an Menschen gewöhnt sind, und es ermöglicht Vergleiche. 14 Wölfe und 15 Hunde lebten bisher im WSC, je 20 sollen es werden. Sie lernen Kommandos wie «Sitz», aber auch mit der Schnauze Symbole am Touchscreen zu berühren.
Kotrschal und seine Mitarbeiterinnen erleben dabei immer wieder Szenen, die das gängige Bild vom Wolf auf den Kopf stellen. Als der Biologe zum Beispiel einmal im Gehege mit vier Wölfen übernachtete, spürte er plötzlich den Kopf des schwarzen Aragorn auf seinem Oberschenkel. Aber das war noch nicht alles: Der einjährige Wolfsrüde hatte «seinen Mitternachtssnack in Form der Wirbelsäule eines Rehs» mitgebracht und knabberte daran, «dass die Knochen nur so krachend knackten», erinnert sich Kotrschal in seinem eben erschienenen Buch*. Dem Professor gefror schier das Blut in den Adern.
Keinesfalls wollte er Aragorn den Eindruck vermitteln, er wolle ihm den Leckerbissen wegnehmen. Denn wenn es ums Futtern geht, verstehen Wölfe keinen Spass. Das erste Gebot der Wolfsforscher – auch zur eigenen Sicherheit – lautet daher: Konflikte mit den Wölfen vermeiden, sie weder dominieren noch bestrafen.
«Nach einer Weile regungslosen Liegens wurde es unbequem, ich drehte mich zur Seite [] Schliesslich begann ich, Aragorns Kopf zu kraulen und auch die Rehwirbelsäule anzufassen [] Und wie reagierte der Rüde? Gar nicht, nicht mal ein leises Knurren», schreibt der Leiter des Forschungszentrums. Zuletzt konnte Kotrschal sogar ertasten, welche Backenzähne der Wolf zum Knochenbrechen einsetzte.
Diesem Erlebnis folgten weitere Überraschungen, zum Beispiel, dass Wölfe weit weniger auf Dominanz aus sind, als ihnen unterstellt wurde. Der Schnauzenbiss eines älteren Wolfs bei einem jüngeren etwa sei meist keine Geste der Unterwerfung, sondern «eine Art freundliche Umarmung». Anders als früher vermutet, herrsche im Wolfsrudel vielmehr Demokratie. Das falsche Bild vom Alpha-Wolf, der alle anderen unterwirft, führt zu Missverständnissen, unter denen mancher Hund heute noch leidet.
Der Umgang mit Hunden sei noch immer «von einem falschen Wolfsbild geprägt, das da meint, das wichtigste Merkmal der Wolfsgesellschaft sei die Dominanzhierarchie, und wer nicht pariere, der werde gemassregelt und unterworfen, am besten gleich prophylaktisch», kritisiert Kotrschal. «Darum werden Hundewelpen immer noch gnadenlos schnauzengerüffelt und nackengeschüttelt. Das ist völliger Unsinn. Mann weiss heute, dass die ausgeprägte Hierarchie bei Wölfen nur bei Gehegehaltung auftritt.»

Im 19. Jahrhundert sei der Wolf zum Symbol von Härte, Ausdauer, Tapferkeit und einer autoritären Führergesellschaft hochstilisiert worden. «Dabei leben Wölfe unter Freilandbedingungen in kooperativen Familienverbänden liebevoll und beinahe egalitär untereinander», hält Kotrschal fest. Nichts weise darauf hin, dass «Wolfsrudel befehlsorientiert und unter Strafsanktion funktionieren [] Im Gegensatz dazu sind beispielsweise Schimpansengruppen eher despotisch organisiert». Aggression spiele innerhalb der Wolfsrudel hingegen nur eine «ganz geringe» Rolle.

Im Umgang mit Testosteron ökonomischer als Männer
Einen Grund für diese Friedfertigkeit sieht Kotrschal in den fast ganzjährig tiefen Werten an männlichen Geschlechtshormonen bei den Wolfsrüden. Nur zur Ranzzeit im Februar steigt das Testosteron, dann wachsen die Hoden von Hasel- auf Baumnussgrösse. Da hohe Testosteronwerte mit grösserer Risikobereitschaft einhergehen, seien Wölfe in dieser Hinsicht «wesentlich ökonomischer» als Hunde oder Männer, findet der Autor.
Begegnungen mit fremden Wolfsrudeln enden dagegen meist blutig. Im Yellowstone-Nationalpark würden rund 60 Prozent der Wölfe durch andere Wölfe sterben, erzählt Kotrschal vor einem der zwei Wolfsgehege, aus dem gerade mehrstimmiges Geheul ertönt – eine Botschaft an das Rudel im Nachbargehege, die der Abgrenzung von ihm dient.

Wölfe sind kooperativ, aber sie hinterfragen mehr als Hunde
Die «grausamen Grenzkriege» sind Kotrschal zufolge nur eine der Gemeinsamkeiten zwischen Wolf und Mensch. So «gibt es nicht allzu viele Säugetierarten, bei denen man innerhalb der Gruppen so lange und freundlich kooperiert». Beide Spezies seien sehr soziale, spezialisierte Laufjäger, die sich von allen Säugetieren weltweit am weitesten verbreiten konnten.
Um mehr über das feine Zusammenspiel zu erfahren, gehört neu ein zehn Meter langes Laufband zum WSC. Damit wollen die Biologen herausfinden, wie sich die Rudel beim Jagen (auf einen Rehschlegel) organisieren und wie viel Energie sie dabei verbrauchen.

In den bisherigen Versuchen waren die Wölfe sehr kooperativ, aber «sie hinterfragen mehr», sagt Kotrschal. «Man hat den Eindruck, dass Hunde einfach unseren Anweisungen folgen, während Wölfe das Denken währenddessen nicht aufgeben.» Auch die Beziehung zur Person am Ende der Leine spielt bei ihnen offenbar eine grössere Rolle.
Mensch und Wolf verbinde eine jahrtausendelange Geschichte, die sich – von den alten Römern bis zu den nordamerikanischen Indianern – in vielen Mythen niederschlug. Wölfe, so Kotrschals Credo, sind unsere «wesensähnliche Schwesterart» – und verdienen Schutz.

* Kurt Kotrschal: Wolf Hund Mensch. Brandstätter-Verlag 2012, ca. 35 Franken. �www.wolfscience.at
Publiziert am 30.09.2012

Mit freundlicher Genehmigung von Marina Frei und der SonntagsZeitung.
Quelle: http://www.sonntagszeitung.ch/wissen/artikel-detailseite/…

http://www.easy-dogs.net/…/gas…/marina_frei/woelfe_frei.html

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